Test Moto Morini X-Cape 700 (2026)

70 PS, Marzocchi voll einstellbar, Navi, Dashcam und Pirelli Scorpion Rally STR – Reiseenduro für 8.099 Euro

Die X-Cape 700 löst die X-Cape 650 ab: 693 cm³ statt 649 cm³, 70 PS statt 60, neue Anti-Hopping-Kupplung, neues 2-in-1-Auspuffsystem, Euro 5+. Das Fahrwerk bleibt: Marzocchi USD 50 mm voll einstellbar, KYB Monoshock, 175/165 mm Federweg; Brembo-Bremsen; Pirelli Scorpion Rally STR auf Tubeless-Speichenfelgen 19/17 Zoll. 7-Zoll-TFT mit serienmäßiger Karten-Navigation und – als Neuheit – integrierte Front-Dashcam. 8.099 Euro inkl. NK in Deutschland. Was die X-Cape nicht hat: Traktionskontrolle – trotz zweier Fahrmodi.

Stand: 24.4.2026 | Modell: Moto Morini X-Cape 700 (Nachfolger X-Cape 650; Euro 5+); Hersteller: Moto Morini (gegr. 1937; seit 2018 Zhongneng Vehicle Group, CN); Design + Entwicklung: Trivolzio (Lombardei); Produktion: China | Preis DE: 8.099 Euro inkl. NK; A: 8.890 Euro | Standgeräusch: nicht offiziell publiziert; beim Händler klären | Garantie: 3 Jahre ohne Kilometerlimit

 

Von der 650er zur 700er: Was sich geändert hat

Die X-Cape 700 ist die Euro-5+-Version der X-Cape-Baureihe, die Moto Morini 2021 als erstes Modell nach der Wiederbelebung lancierte. Der Hubraum wächst von 649 auf 693 cm³ (identische Bohrung, längerer Hub). Die Leistung steigt von 60 auf 70 PS und das Drehmoment von 54 auf 68 Nm.

Neu hinzu kommen: Anti-Hopping-Kupplung, neues 2-in-1-Auspuffsystem, integrierte Front-Dashcam, zwei Fahrmodi (Straße/Gelände per Daumentaster). Was bleibt: Marzocchi-Gabel, KYB-Federbein, Brembo-Bremsen, 7-Zoll-TFT mit Navi, Pirelli Scorpion Rally STR, Hauptständer, Handprotektoren, Motorschutz. Der Preis steigt von ca. 7.499 auf 8.099 Euro.

Motor: 693 cm³, 70 PS, Kawasaki-Abstammung

Der flüssigkeitsgekühlte DOHC-Reihentwin mit 693 cm³ hat – wie der 649er-Motor in Seiemmezzo und Calibro – Kawasaki-Abstammung und wird bei Zhongneng in China gefertigt. Bosch-Einspritzung; 6-Gang; Kettenantrieb; Euro 5+. Die neue Anti-Hopping-Kupplung verhindert Hinterradblockieren beim Herunterschalten. Das neue 2-in-1-Auspuffsystem liegt tief am Rahmen, was den Schwerpunkt günstig beeinflusst und Bodenfreiheit im Gelände freilässt.

Der Motor leistet im Gelände hervorragende Arbeit, die Leistungsentfaltung auf Straße und im Gelände ist sehr gut. Im mittleren bis hohen Drehzahlbereich seidenweich und vibrationsfrei, hält Autobahntempi problemlos. Laut Hersteller ist die Leistungsentfaltung bewusst linear abgestimmt – mit Schwerpunkt im mittleren Drehzahlbereich.

Fahrmodi ohne Traktionskontrolle – der kritische Punkt

Die X-Cape 700 hat zwei Fahrmodi: Straße und Gelände. Im Gelände-Modus lässt sich das Hinterrad-ABS abschalten. Was die Modi jedoch nicht ändern: das Motorkennfeld. Seltsamerweise gibt es weder unterschiedliche Motorkennfelder für diese Modi noch eine Traktionskontrolle. Morinis offizielle Begründung: Die Leistungsentfaltung sei so präzise, dass das Motorrad sowohl auf der Straße als auch im Gelände gleichermaßen gut funktioniert – TC sei daher überflüssig.

Das ist eine vertretbare Philosophie für ein Motorrad, das Gelände-tauglich, aber kein Hardcore-Offroader ist. Wer auf nassen Schotterwegen oder bei gemischten Bedingungen Sicherheitsnetz durch elektronische Fahrhilfen erwartet: Die X-Cape 700 liefert das nicht. Wer ein Motorrad sucht, das fahrerisch funktioniert ohne TC: Die Brembo-Bremsen und das Fahrwerk sind das eigentliche Sicherheitssystem.

Fahrwerk: Marzocchi 50 mm und KYB – die Kernstärke

Marzocchi liefert die USD-Gabel mit 50 mm Durchmesser, 175 mm Federweg und kompletter Einstellbarkeit (Vorspannung, Zug- und Druckstufe). Das KYB-Monoshock hinten hat 165 mm Federweg, die Vorspannung per Drehknauf leicht zugänglich, Zugstufe einstellbar. Konventioneller Stahlrohrrahmen mit Aluschwinge. Der Lenker ist in 3 Positionen verstellbar, das Windschild einhändig ohne Werkzeug. Das ist für eine Reiseenduro dieser Preisklasse eine überdurchschnittliche Fahrwerksausstattung. Eine Yamaha Ténéré 700 kostet ca. 11.500 Euro für ein vergleichbares Setup.

Handling leicht und agil, die Morini schafft auch auf regennassen, ausgefahrenen Schotterpisten Vertrauen. Der relativ niedrige Schwerpunkt (tiefsitzender Auspuff, Sitzkuhle) trägt dazu bei. Einschränkung: 175/165 mm Federweg sind für gemäßigte Reiseenduro-Verhältnisse ausreichend – für ambitioniertes Offroad nicht.

Bremsen: Brembo 2-Kolben, abschaltbares ABS

Brembo liefert 2-Kolben-Bremssättel (Schwimmsattel, keine Radialzange) an Doppelscheiben mit je 298 mm vorn und eine Einzelscheibe hinten. Das Bosch ABS kommt mit Hinterrad-Abschaltfunktion (per Fahrmodustaste). Das reicht für eine Reiseenduro dieser Leistungsklasse. Radialzangen-Bremsgefühl ist nicht der Anspruch dieses Motorrads.

Ergonomie: Sitzkuhle, 820–845 mm, Sitzhöhe gut

Die Sitzhöhe beträgt je nach Sitzbank 820 mm (Low-Sitzbank erhältlich) oder 845 mm (Standard). Besonderheit: Die konkave Sitzkuhle und der hoch aufragende Tank reduzieren die gefühlte Sitzhöhe, sie ist für eine Enduro relativ niedrig. Der Fahrer sitzt eher „im“ Motorrad als darauf. Nachteil ist die begrenzte Bewegungsfreiheit im Sattel – auf einer Enduro kann man sein Gewicht anders verlagern.

Die Stehhöhe ist angenehm: neutrale mit viel Bewegungsfreiheit. Guter Windschutz durch das hohe Windschild für Ganztagstouren. Fußrasten: Gummieinsätze serienmäßig; Stahlfußrasten nachrüstbar. Eine breitere Auflagefläche und besserer Grip wäre wünschenswert.

Ausstattung: Dashcam, Navi, TPMS – was die X-Cape bietet

7-Zoll-TFT-Farbdisplay mit serienmäßiger Karten-Navigation (App-fähig, Connectivity) – das ist Klasse für 8.099 Euro. Neu bei der 700er: eine integrierte Front-Dashcam, die automatisch aufzeichnet, sobald die Zündung eingeschaltet ist, und über die App abgerufen werden kann. Reifenluftdruck-Sensoren (TPMS) serienmäßig. Zwei USB-Anschlüsse. Handprotektoren, Motorschutz und Hauptständer serienmäßig – das alles bei Konkurrenten oft teure Optionen. Zubehör: Alu-Koffer, Alu-Topcase, Griffheizung, Schutzbügel, verschiedene Sitzbänke.

Preis und Konkurrenz

8.099 Euro inkl. NK. Yamaha Ténéré 700: ca. 11.500 Euro, 690er-Parallel-Twin, mehr Fahrmodi, weniger Serienausstattung. BMW F 800 GS: ab ca. 11.000 Euro, 895er-Parallel-Twin, mehr Elektronik. Royal Enfield Himalayan 450: ca. 5.800 Euro, 452er-Einzylinder, deutlich leichter. Honda XL750 Transalp: ca. 11.500 Euro, 755er-Parallel-Twin, 6-Achsen-IMU, E-Clutch.

Für 8.099 Euro bietet die X-Cape 700 Marzocchi-Gabel, Brembo-Bremsen, Navi, Dashcam und TPMS serienmäßig – das Ausstattungspaket ist im Preisvergleich aggressiv.

Fazit

Die Moto Morini X-Cape 700 ist eine gut durchdachte Reiseenduro für Fahrer, die keine extreme Gelände-Ambitionen haben, aber mehr wollen als eine große Straßenmaschine. Marzocchi-Gabel, Brembo-Bremsen, Navi, TPMS und Dashcam für 8.099 Euro ist das Hauptargument. Das fehlende TC trotz Fahrmodi und das Gewicht von 241 kg fahrfertig sind die Einschränkungen. Insgesamt eine gelungene Reiseenduro mit kleinen Schwächen.

 

Kurzcheck

 

+ Marzocchi USD 50 mm voll einstellbar (175 mm); KYB Monoshock einstellbar (165 mm); Brembo-Bremsen; Pirelli Scorpion Rally STR 19/17 Zoll Tubeless-Speichenräder – alles serienmäßig

+ 7-Zoll-TFT mit serienmäßiger Karten-Navigation + integrierter Front-Dashcam (Neuheit 700er) + TPMS + 2x USB + Hauptständer + Handprotektoren + Motorschutz: Ausstattungspaket für 8.099 Euro aggressiv

+ Motor hervorragend auf Schotter und Straße; seidenweich im mittleren Drehzahlbereich; agiles Handling; auf nassen Schotterpisten vertrauenseinflößend; gelungene Reiseenduro

+ Lenker 3-fach verstellbar; Windschild einhändig ohne Werkzeug; Sitzhöhe 820–845 mm je nach Sitzbank; Anti-Hopping-Kupplung; ABS Hinterrad abschaltbar; 3 Jahre Garantie ohne Kilometerlimit

+ 8.099 Euro inkl. NK in Deutschland verfügbar; 70 PS, 68 Nm; 18-L-Tank; ca. 170 km/h Vmax

 

Keine Traktionskontrolle trotz zwei Fahrmodi (Straße/Gelände): Fahrmodi ändern nur ABS-Setup, kein unterschiedliches Motorkennfeld; bei nassen Bedingungen kein elektronisches Sicherheitsnetz

241 kg fahrfertig: für eine 700er-Mittelklasse-Enduro schwer; Zuladung von ca. 164 kg kritisch

Brembo 2-Kolben-Schwimmsattel (keine Radialzange); Federweg 175/165 mm: für gemäßigtes Gelände ausreichend, für ambitioniertes Offroad-Fahren zu kurz

Fahrer sitzt tief in Sitzkuhle: begrenzte Bewegungsfreiheit im Sattel; Fußrasten Gummieinlagen serienmäßig – Stahlfußrasten Nachrüstung empfohlen

Standgeräusch nicht publiziert; Tirol-Kompatibilität beim Händler klären; Moto Morini Händlernetz Deutschland begrenzt

 

 

Technische Daten: Moto Morini X-Cape 700 (2026)

 

Marke / Modell: Moto Morini X-Cape 700 (Nachfolger X-Cape 650; Euro 5+); Hersteller: Moto Morini (gegr. 1937; seit 2018 Zhongneng Vehicle Group/ZNEN, CN); Design + Entwicklung: Trivolzio (Lombardei); Produktion: China

Motor: Flüssigkeitsgekühlter DOHC-Reihenzweizylinder, 693 cm³; Kawasaki-Abstammung; bei Zhongneng/CFMoto gefertigt; 8 Ventile; Bosch-Einspritzung; Anti-Hopping-Kupplung (neu); neues 2-in-1-Auspuffsystem; 6-Gang; Kette; Euro 5+

Leistung: 70 PS (51,5 kW) bei 8.500/min

Drehmoment: 68 Nm bei 6.500/min

Vmax / Verbrauch: ca. 170 km/h; ca. 4,4 l/100 km

Tank / Reichweite: 18 l; ca. 350–400 km

Fahrmodi / Elektronik: 2 Fahrmodi: Straße + Gelände (per Daumentaster); KEIN unterschiedliches Motorkennfeld; KEINE Traktionskontrolle; ABS Hinterrad im Gelände-Modus abschaltbar (Bosch)

Rahmen: Stahlrohrrahmen; Aluschwinge

Gabel: Marzocchi USD 50 mm; Federweg 175 mm; voll einstellbar (Vorspannung, Zug- und Druckstufe)

Federbein: KYB Monoshock; direkte Anlenkung; Federweg 165 mm; Vorspannung per Drehknauf; Zugstufe einstellbar

Bremsen vorn: Brembo 2-Kolben-Schwimmsattel (keine Radialzange); Doppelscheibe 298 mm; Bosch ABS

Bremse hinten: Einzelscheibe; Bosch ABS (Hinterrad abschaltbar)

Räder: Tubeless-Speichenfelgen; 19 Zoll vorn; 17 Zoll hinten

Reifen: Pirelli Scorpion Rally STR; 110/80-19 vorn; 150/70-17 hinten

Ergonomie: Sitzhöhe 820 mm (Low-Sitzbank) / 845 mm (Standard); Sitzkuhle; Lenker 3-fach verstellbar; Stehergonomie angenehm; Bewegungsfreiheit im Sitzen begrenzt

Gewicht: 213 kg trocken (Herstellerangabe); 241 kg vollgetankt

Ausstattung: 7-Zoll-TFT Farb-Navi (Karten-Navigation serienmäßig, App-fähig); Front-Dashcam (Neuheit); TPMS (Reifendrucksensoren); 2x USB; Handprotektoren; Motorschutz; Hauptständer; einhändig verstellbarer Windschild; Voll-LED

Standgeräusch: Nicht offiziell publiziert; Tirol-Kompatibilität beim Händler klären

Farben (2026): Red Passion (Rot); Carrara White (Weiß); Black Ebony (Schwarz)

Zubehör (Werk): Alu-Koffer; Alu-Topcase; Griffheizung; Schutzbügel; Alu-Motorprotektor; verschiedene Sitzbänke; SC-Project Titan-Auspuff

Garantie: 3 Jahre ohne Kilometerlimit (alle Moto Morini; Bedingung: Wartung beim Morini-Vertragshändler)

Preis (D): 8.099 Euro inkl. NK; Österreich: 8.890 Euro