Test Yamaha Tracer 7 GT Y-AMT (2026)

Kein Kupplungshebel, kein Schaltpedal – und trotzdem volle Kontrolle über jeden der sechs Gänge

Die Tracer 7 GT Y-AMT ist kein anderes Motorrad als ihre Schwestervariante mit Handschaltung – sie ist dieselbe Maschine, die anders bedient wird. Das Y-AMT-System übernimmt Kupplung und Schaltaktuator, lässt dem Fahrer aber die Wahl: vollautomatisch im AT-Modus oder manuell per Daumentipp auf die Schaltwippe. Für alle, die im Stadtverkehr nicht mehr kuppeln möchten und auf der Landstraße trotzdem den Gang selbst wählen wollen, ist das kein Kompromiss, sondern die konsequentere Lösung. 500 Euro mehr als die Schaltversion.

Stand: 22.4.2026 | Modell: Yamaha Tracer 7 GT Y-AMT; in Deutschland ausschließlich als GT-Version (nicht Standard Tracer 7) | Preis: 12.424 Euro inkl. Nebenkosten (500 Euro Aufpreis zur GT Schaltversion) | Standgeräusch: 89 dB(A) – deutlich unter Tiroler Grenze

Was Y-AMT konkret bedeutet – und was es nicht bedeutet

Wer zum ersten Mal auf eine Yamaha mit Y-AMT steigt, sucht links am Lenker den Kupplungshebel und findet ihn nicht. Der Schalthebel am linken Fuß fehlt ebenfalls. Stattdessen sitzt auf Daumenhöhe am linken Lenkerschalter eine unauffällige Wipptaste. Drück nach oben: ein Gang höher. Drück nach unten: einen runter. Die Kupplung betätigt das System elektronisch, der Fahrer bestätigt lediglich die Richtung.

Das ist der MT-Modus, der manuelle Modus des Y-AMT. Im AT-Modus übernimmt die Elektronik auch die Gangwahl selbst – der Fahrer lenkt, gibt Gas und bremst, mehr nicht. Beide Modi lassen sich während der Fahrt per Tastendruck wechseln.

Was Y-AMT nicht ist: eine stufenlose CVT-Automatik wie im Roller. Das Sechsganggetriebe bleibt mechanisch unverändert. Y-AMT ist ein konventionelles Schaltgetriebe mit elektronisch gesteuerten Aktoren für Kupplung und Schaltgabel.

Das bedeutet: Es gibt Schaltpausen, die spürbar sind – besonders beim Herunterschalten. Es gibt auch einen definierten Leerlauf. Das Schaltgefühl im manuellen Modus ist präzise. Im Automatik-Modus ist es komfortabel, aber nicht unsichtbar.

Wie Y-AMT zum Touringscharakter der GT passt

Die Tracer 7 GT ist als Langstreckenmotorrad konzipiert: serienmäßige 2×30-L-Koffer, Touring-Windschild, Heizgriffe, Hauptständer, höhenverstallbare Sitzbank. Der CP2-Twin mit 270°-Kurbelwellenkröpfung läuft geschmeidig und zieht breit durch. Genau in diesen Touring-Charakter fügt sich Y-AMT stimmig ein: Wer mehrere Stunden am Tag reist, durch Bergländer fährt, in Ortskernen oft halten muss und mit schwerem Gepäck anfährt, fühlt die Entlastung durch wegfallende Kupplungsarbeit sehr deutlich. Gerade auf engen Serpentinen mit Kehren und kurzen Geraden – typisches Alpentouren-Terrain – ist kein ununterbrochenes Kuppeln mehr nötig. Die linke Hand bleibt entspannt.

Im AT-Modus der Tracer 7 GT bestimmt die Elektronik den Schaltpunkt anhand von Drehzahl, Gasstellung und Geschwindigkeit. Für zügige Landstraßenfahrt genügt das. Wer sportlicher unterwegs ist, wechselt in den MT-Modus und bestimmt die Gänge selbst. Beide Welten sind per Taste erreichbar, ohne das Motorrad anzuhalten. Das passt zu einem Motorrad, das Vielseitigkeit als Kern-Versprechen hat.

Die Basis: Was die GT-Version mitbringt

Wer den eigenen GT-Bericht nicht zur Hand hat: Die Tracer 7 GT basiert auf der MY2025-Generation der Tracer 7 und hat mit diesem Update Ride-by-Wire, drei Fahrmodi, Traktionskontrolle, Tempomat, 5-Zoll-TFT mit Garmin-Navigation, neue 41-mm-USD-Gabel, radiale 4-Kolben-Bremssättel und eine um 13% steifere Rahmenstruktur erhalten. Die GT-spezifischen Extras gegenüber der Standard-Tracer 7 sind: 2×30-L-Hartschalenkoffer serienmäßig, Touring-Windschild 90 mm höher mit 60 mm Verstellbereich, Heizgriffe 10-stufig, Hauptständer und goldene USD-Gabel. Die Y-AMT-Version ändert an all dem nichts, sie ersetzt lediglich die konventionelle Kraftübertragung.

Der Preisunterschied und was er bedeutet

Die Tracer 7 GT Schaltversion kostet 11.924 Euro; die Y-AMT-Version 12.424 Euro. 500 Euro Aufpreis für ein System, das die gesamte Kupplungsarbeit abnimmt und gleichzeitig manuelles Schalten per Fingertipp ermöglicht, ist für ein Tourenmotorrad eine überschaubare Differenz.

Zum Vergleich: Der optionale Quickshifter der Schaltversion (nur hoch, ca. 241,95 Euro) löst nur einen Teil des Problems. Y-AMT löst es vollständig – in beide Richtungen. Wer die Wahl hat und häufig in der Stadt oder auf kurvenreichen Alpenstrecken fährt, hat mit Y-AMT das rationalere Argument auf seiner Seite.

Eine Einschränkung ist zu nennen: Das Y-AMT addiert Gewicht. Die Tracer 7 GT mit Schaltung wiegt ca. 212 kg; die Y-AMT-Version liegt rund 4 kg darüber – also bei ca. 216 kg. Das ist kein dramatischer Unterschied, macht sich aber in engen Kehren beim Manövrieren bemerkbar. Wer jedes Kilogramm zählt, bleibt bei der Schaltversion.

Y-AMT in der Mittelklasse: Warum das Angebot sinnvoll ist

Bis zur Einführung der Tracer 7 GT Y-AMT war Y-AMT in Deutschland ausschließlich in Modellen der 900er-Klasse verfügbar: MT-09, Tracer 9 GT, MT-07. Mit der Tracer 7 GT Y-AMT tritt das System erstmals in einem vollständig touring-orientierten 690er-Modell auf. Das eröffnet eine neue Gruppe von Fahrern: solche, die Langstrecken-Tourismus betreiben und dafür kein 890-cm³-Motorrad kaufen möchten, aber den Kupplungsverzicht als echten Komfortgewinn schätzen.

Zum Einstieg in Y-AMT als Technologie ist der Preispunkt von 12.424 Euro überschaubarer als die Tracer 9 GT, die ähnliches für rund 3.600 Euro mehr bietet – aber mit einem stärkeren Motor, einem elektronischen Fahrwerk und Matrix-LED.

Kosten und Einordnung

12.424 Euro für einen vollständig ausgerüsteten Mittelklasse-Sporttourer ohne Kupplungshebel, mit serienmäßigen 30-Liter-Koffern, Heizgriffen, Hauptständer, Tempomat, Garmin-Navigation und drei Fahrmodi ist für das Segment ein faires Angebot. Wer den Vergleich mit der Honda NT1100 DCT (16.600 Euro, 102 PS, Apple CarPlay, Doppelkupplungsgetriebe) sucht: Die Honda hat mehr Komfort-Features und einen größeren Motor, ist aber kein sportlicher Tourer im Sinne der Tracer.

Wer den Vergleich mit der Kawasaki Versys 650 sucht: Die Kawasaki hat keine Automatik und weniger Elektronik, ist aber rund 3.000 Euro günstiger. Die Tracer 7 GT Y-AMT positioniert sich dazwischen – als Motorrad, das sportlichen Charakter mit Tourenkomfort und Schaltkomfort verbindet.

Fazit

Die Tracer 7 GT Y-AMT ist die richtige Wahl für alle, die das Touring-Paket der GT möchten und die Kupplungsarbeit dem System überlassen können. 500 Euro Aufpreis für Y-AMT sind gemessen am Nutzen gering. Das System bietet volle manuelle Kontrolle im MT-Modus und echte Entspannung im AT-Modus. Die technische Basis – CP2-Motor, neues Chassis, USD-Gabel, radiale Bremsen, TFT, Garmin – ist dieselbe wie bei der Schaltversion. Wer sich bereits für die GT entschieden hat und gerne auf Langstrecke unterwegs ist, sollte den Aufpreis ernsthaft in Erwägung ziehen.

 

Kurzcheck

 

+ Y-AMT ersetzt Kupplungshebel und Schaltpedal vollständig; MT-Modus: manuell per Wippschalter; AT-Modus: vollautomatisch; während der Fahrt wechselbar

+ 500 Euro Aufpreis zur GT Schaltversion – für automatisches Kuppeln in beide Richtungen (Hoch- und Herunterschalten) ein überschaubarer Einstiegsaufpreis

+ Alle GT-Vorzüge inklusive: 2×30 L Koffer serienmäßig, Heizgriffe, Hauptständer, Touring-Windschild, Tempomat, TFT, Garmin-Navigation, Ride-by-Wire, 3 Fahrmodi, TCS

+ In Deutschland exklusiv als GT-Version: das Angebot gibt es nur mit vollem Touring-Paket, nicht als abgespecktes Basismodell

+ A2-Version (35 kW) verfügbar; 89 dB(A) Standgeräusch; A-Zulassung ohne Auflagen; Michelin Pilot Road 6 GT ab Werk

+ CP2-Twin: breites Drehmomentband, vibrationsarm durch Verkleidung, 4,3 l/100 km, 18-L-Tank, ca. 380 km Reichweite

 

Ca. 4 kg schwerer als GT Schaltversion (ca. 216 kg gesamt): in engen Kehren und beim Rangieren spürbar

Y-AMT hat im AT-Modus spürbare Schaltpausen; kein unsichtbares CVT – das Getriebe bleibt mechanisch ein Sechsganggetriebe

Windschild: Verstellmechanismus nicht leichtgängig; Verwirbelungen in höchster Stellung bei normalgroßem Fahrer

Zuladung 178 kg: für Zweipersonen-Touring mit Gepäck schnell ausgeschöpft

 

 

Technische Daten: Yamaha Tracer 7 GT Y-AMT (2026)

 

Marke / Modell: Yamaha Tracer 7 GT Y-AMT; eingeführt MY2026 (ab Februar 2026); in Deutschland ausschließlich als GT-Version (nicht Standard Tracer 7). Basis: MY2025-Plattform der Tracer 7 GT

Motor: CP2-Parallel-Twin DOHC, 689 cm³, flüssigkeitsgekühlt; 270°-Kurbelwellenkröpfung; Ride-by-Wire Y-CCT; 6-Gang mit Y-AMT; Assist & Slipper-Funktion; Kette; Euro 5+; A2-drosselbar (35 kW)

Y-AMT: Yamaha Automated Manual Transmission: elektronisch gesteuerte Kupplung + Schaltaktuatoren; MT-Modus (manuell per Wippschalter) und AT-Modus (vollautomatisch); kein Kupplungshebel, kein Fußschalthebel; Modi während der Fahrt wechselbar

Leistung: 73,4 PS (54 kW) bei 8.750/min

Drehmoment: 67 Nm bei 6.500/min

Vmax / Verbrauch: ca. 200 km/h; ca. 4,3 l/100 km; 18-L-Tank; ca. 380 km Reichweite

Rahmen: Stahl; 13% steifer als Vorgänger; 100 mm längere Alu-Schwinge vs. MT-07

Gabel: KYB USD 41 mm; 18-fach Zugstufe; voll einstellbar; goldene Holme (GT-exklusiv)

Federbein: Monofederbein; Federvorspannung via Handrad; Zugstufe einstellbar

Bremsen vorn: Doppelscheibe 298 mm; radiale 4-Kolben-Bremssättel; Zweikanal-ABS

Bremse hinten: 245 mm; ABS

Elektronik: Ride-by-Wire; YRC (3 Fahrmodi Sport/Street/Custom); 3 Power-Modes; TCS 2-stufig + abschaltbar; Tempomat (40–180 km/h); Zweikanal-ABS; selbstrückstellende Blinker

Cockpit: 5-Zoll-TFT (4 Layouts); MyRide App; Garmin StreetCross Navigation kostenfrei; USB-C

Windschild GT: Touring-Windschild; 90 mm höher als Standard; manuell 60 mm verstellbar

Komfort GT: Heizgriffe 10-stufig serienmäßig; Hauptständer; Handrad Federvorspannung; höhenverstellbare Sitzbank (845/865 mm)

Gepäck GT: 2×30 L Hartschalenkoffer serienmäßig; optional Topcase 34 L oder 45 L

Reifen: Michelin Pilot Road 6 GT; 120/70 ZR17 / 180/55 ZR17; Gussfelgen

Sitzhöhe: 845 mm; werkzeuglos +20 mm auf 865 mm

Gewicht: ca. 216 kg vollgetankt (GT Schaltversion 212 kg + ca. 4 kg Y-AMT-System)

Standgeräusch: 89 dB(A); deutlich unter Tiroler Grenze (95 dB(A))

Farben: Icon Performance; Tech Black (identisch mit GT Schaltversion)

Abgrenzung GT Schaltversion: Identische Technik und Ausstattung; einziger Unterschied: Y-AMT statt konventionellem 6-Gang-Getriebe. +500 Euro Aufpreis, +ca. 4 kg Gewicht

Abgrenzung Tracer 9 GT Y-AMT: Tracer 9 GT Y-AMT: 890 cm³ MotorCP3, 119 PS, Matrix-LED, elektronisches KYB-KADS-Fahrwerk, 7-Zoll-TFT, Smart-Key. Ca. 3.600 Euro teurer (ca. 16.049 Euro). Tracer 7 GT Y-AMT: leichter, günstiger, zugänglicher Einstieg in Y-AMT

Konkurrenz 2026: Honda NT1100 DCT: ca. 13.500 Euro, 102 PS, Apple CarPlay, DCT –

Preis (D): 12.424 Euro inkl. Nebenkosten. A2-Version (35 kW) ebenfalls verfügbar

Garantie: 2 Jahre Werksgarantie ohne Kilometerbegrenzung